Sales-Team aufbauen: Reihenfolge, Rollen, Vergütung, Führung
VonAlexander HeegGründer Agentur ConsultingAktualisiert am 6. Oktober 2026
Kurzantwort: Willst du in deiner Agentur ein Vertriebsteam aufbauen, gehst du in fester Reihenfolge vor: Erst gibst du das Opening ab, dann das Setting, das Closing zuletzt. Jede Rolle bekommt genau einen Fokus und Provision nur auf Kennzahlen, die sie selbst beeinflusst. Eingestellt wird erst, wenn dein Lead-Flow die Stelle trägt. Geführt wird über tägliche Zahlen, feste Rituale und klare Konsequenzen.
Warum die meisten Agenturen ihr Sales-Team falsch herum aufbauen
Die meisten Agenturinhaber stellen ihren ersten Vertriebler ein wie eine neue Grafikerin: Anzeige schalten, drei Gespräche, Bauchgefühl. Eine schwache Grafikerin liefert mittelmäßige Entwürfe. Ein schwacher Vertriebler verbrennt deine Leads, beschädigt deinen Ruf bei genau den Interessenten, die du gebraucht hättest, und kostet dich schnell 150.000 € an Umsatzpotenzial.
Der zweite Fehler: Menschen stumpf Listen abtelefonieren lassen und auf mehr Schlagzahl hoffen. Die guten Verkäufer kündigen, weil sie ihre Zeit mit Verwaltung und toten Leads verbringen. Richtig herum übernimmt die KI die Schlagzahl, also Erstkontakte, Follow-ups und Terminkoordination. Menschen übernehmen die Momente, in denen Vertrauen entsteht: das Setting-Gespräch mit dem skeptischen Interessenten und den Closing-Call. Für einen KI-Setter auf WhatsApp gelten zwei Regeln ohne Ausnahme. Er schreibt nur Kontakte an, die einer Ansprache vorher ausdrücklich zugestimmt haben, auch im B2B. Und er gibt sich spätestens in der ersten Nachricht als KI zu erkennen. Wie so ein System aufgebaut ist, zeigt der Bauplan für den WhatsApp-KI-Setter.
Der Leitsatz: Du willst das kleinste Team, das den meisten Umsatz macht. Wie das Sales-Team in die Skalierung deiner Agentur insgesamt passt, steht im Leitfaden zur Agentur-Skalierung.
Die Rollen im Sales-Team und die eiserne Regel
Kaum eine Agentur braucht alle Rollen sofort. Kennen musst du sie trotzdem, sonst baust du Mischformen, die nie funktionieren.
| Rolle | Aufgabe | Woran du sie misst |
|---|---|---|
| Opener | Erstkontakt in 5-Minuten-Gesprächen, vereinbart den Setting-Termin. Auf kalten Listen heißt die Rolle SDR. | erschienene, qualifizierte Erstgespräche |
| Setter | Qualifiziert warme Leads im 15- bis 30-Minuten-Gespräch und bucht den Termin für den Closer. Fachjargon: MDR. | Umsatz aus seinen Sets, Show Rate |
| Closer | Führt das Verkaufsgespräch über 45 bis 90 Minuten bis zum Abschluss. | Angebotsquote, Abschlussquote, Cash Collected |
| Sales Coordinator | Bestätigt Termine von Hand, hält die Pipeline sauber. | Show Rate |
| Sales Lead | Führt das Team, leitet Call-Reviews und 1:1s. | Teamziel |
Den Sales Coordinator unterschätzen fast alle, dabei ist er einer der größten Show-Rate-Hebel. Bis 2 bis 3 Closer erledigt das ein Setter oder eine Assistenz nebenher, ab 4 Closern lohnt die eigene Stelle. Am Anfang darf eine Person zwei Rollen tragen, solange jede Rolle eigene Kennzahlen hat. Die Begriffe erklärt das Lexikon zu Setter und Closer.
Eine Kombination ist verboten: Warme Leads und Kaltakquise gehören nie in dieselbe Person. Wer beides hat, verkauft das, was am leichtesten geht, und die Kaltakquise verkümmert. Eine Rolle, ein Fokus. Wie du speziell den ersten Setter findest und einstellst, zeigt der Artikel Sales-Setter für Agenturen: Den ersten Mitarbeiter richtig einstellen.
Sales-Team aufbauen: Welche Rolle stellst du zuerst ein?
Der häufigste Fehler ist, zuerst einen Closer zu holen, weil Closing am meisten Zeit frisst. Ich halte das für falsch. Verkaufen zu können ist das wertvollste Asset deiner Agentur, und dein eigenes Closing ist am Anfang Trainingslager und Qualitätssicherung zugleich. Die richtige Reihenfolge:
- Opening delegieren. Ein Opener übernimmt die Erstkontakte, Setting und Closing machst du selbst.
- Setting delegieren. Der beste Opener wird Setter, neue Opener rücken nach. Du machst nur noch Closing.
- Closing delegieren. Der beste Setter wird Closer, oder du holst einen erfahrenen Closer von außen. Du bist nur noch bei den größten Deals dabei.
So kennt jeder, der aufsteigt, deinen Markt bereits. Solange du selbst closest, siehst du die zwei wichtigsten Datenquellen deiner Agentur: die Einwände deiner Zielgruppe und die Qualität der Termine aus dem Setting. Gibst du das Closing zu früh ab, verlierst du beides.
Eine Vorfrage noch: Ist deine Dienstleistung fulfillment-intensiv, baust du zuerst das Sales-Team. Ist sie verkaufsintensiv, baust du zuerst das Fulfillment-Team. Und gib immer die Rollen ab, die du gemeistert hast, nicht die, die du hasst. Sonst delegierst du dein Chaos.
Wann trägt dein Lead-Flow die nächste Stelle?
Eine Person einzustellen, für die nicht genug Leads da sind, ist die teuerste Art, Motivation zu zerstören. Ein Setter braucht 600 bis 800 frische Opt-ins pro Monat, um ausgelastet zu sein. Hast du weniger, lastest du lieber eine Person voll aus, als zwei zu unterfordern. Ein Setter füllt ungefähr einen Closer, plane am Anfang 1:1. Ein Closer braucht mindestens 5 Closing-Calls pro Woche, damit sich die Rolle trägt, in Vollzeit schafft er 2 bis 4 pro Tag. Liegst du darunter, hast du kein Hiring-Thema, sondern ein Lead-Flow-Thema.
Zur Orientierung das Zielbild aus unserer Blaupause: eine Agentur mit 12 Mitarbeitern und 250.000 € Monatsumsatz. Ein Gründer ist dort Head of Sales und Closer. Die Messlatte liegt bei 20.000 bis 25.000 € Umsatz pro Mitarbeiter und Monat.
Recruiting: Auswahl statt Bauchgefühl
Hiring is Guessing, Firing and Promoting is Knowing. Ob jemand liefert, weißt du erst, wenn er liefert. Also perfektionierst du nicht das Interview, sondern kommst schneller in die Praxis.
Dafür brauchst du Auswahl. Wer aus 8 Bewerbungen einstellt, stellt fast immer B-Player ein. Fahre mindestens zwei Kanäle parallel, bewährt hat sich Indeed plus Social Recruiting über Meta mit rund 50 € Tagesbudget. Qualifiziere per WhatsApp mit einem Sprachmemo von 60 bis 90 Sekunden, darin hörst du Phone-Sound und Energie. Die Bewerber bekommen dazu einen kurzen Datenschutzhinweis. In die Anzeige gehört (m/w/d), im Interview bleiben AGG-geschützte Themen wie Gesundheit, Familienplanung oder Religion tabu, und du fragst nach der Gehaltsvorstellung statt nach dem bisherigen Gehalt. Führe mindestens 30 Video-Calls, bevor du einstellst. Kein Sales-Hire ohne Rollenspiel: Gib zwei Feedbackpunkte, lass das Szenario noch einmal spielen und schau, ob die Person umsetzt oder diskutiert.
Wenn der Lead-Flow es trägt, stellst du 2, besser 3 Leute gleichzeitig ein. Legt nur einer keine Termine, weißt du sonst nicht, ob dein System schlecht ist oder die Person. Vorher setzt du 3 bis 4 Tage lang selbst Termine mit genau den Leads, die der Setter später bekommt. So entstehen realistische Erwartungswerte und ein erstes SOP-Dokument. Wer dabei nicht bei null anfangen will, nimmt die Skript- und Einwand-Bibliothek als Startpunkt. Danach folgt ein Ramp-up mit Endpunkt: rund 30 Tage oder die ersten 30 bis 50 Gespräche, am Ende KPI erreicht oder Trennung.
Vorlagen statt leeres Blatt: Stellenanzeige mit Platzhaltern, Meta-Anzeigentext, Bewerber-Fragebogen und WhatsApp-Quali-Sequenz bekommst du kostenlos in den Recruiting-Vorlagen für Setter und Closer. Das komplette System mit Rollen, Vergütung, Führung, KI-Setter und CRM steht in der Sales-Team-Schablone.
Vergütung: vom OTE rückwärts gerechnet
An deinem Vergütungsmodell entscheidet sich, ob du Verkäufer anziehst oder Verwalter. Bewerber entscheiden nach dem OTE, dem On-Target-Earning bei Zielerreichung, nicht nach dem Fixum. Bau das Modell deshalb von hinten: Was soll ein guter Setter verdienen? Dann rechnest du über deine Conversions zurück, was er dafür leisten muss.
Unsere Richtwerte: Der Setter bekommt 3 bis 5 Prozent vom Umsatz seiner Sets, das OTE liegt bei 4.000 bis 8.000 € im Monat. Der Closer bekommt bis 10 Prozent vom Cash Collected, ein OTE bis 20.000 € im Monat ist möglich. Der Opener bekommt einen festen Betrag pro erschienenem, qualifiziertem Erstgespräch. Provision gibt es nur auf das, was die Rolle selbst beeinflusst. Und der Setter braucht eine echte Provision, sonst will er so schnell wie möglich Closer werden.
Das Fixum ist das schwächste Incentive. Besser ist ein garantiertes Mindesteinkommen, das sich über Boni auffüllt. Bei Angestellten muss das Fixum mindestens den gesetzlichen Mindestlohn erreichen. Wer rein variabel bezahlte Freelancer fest in Daily, Meetings und Berichtspflichten einbindet, bewegt sich Richtung Scheinselbstständigkeit. Lass die Statusfrage prüfen, das ist eine Stunde Anwaltszeit gegen ein sehr teures Risiko.
Und prüf vorher deine Marge. Hängt deine Agentur bei 30 bis 40 Prozent, kannst du keine A-Player bezahlen. Ziel sind 60 bis 70 Prozent. Dazu kommen ein Ramping-Bonus für die ersten 1 bis 2 Monate und ein sichtbarer Karrierepfad: Opener wird Setter, Setter wird Closer, Closer wird Sales Lead. Mit dem OTE- und Provisionsrechner rechnest du das für jede Rolle durch.
Führung: Zahlen, Rituale und Konsequenz
Ein Team, das ohne dich liefert, entsteht durch drei unspektakuläre Dinge: Zahlen, Rituale, Konsequenz. Jeder trägt täglich seine Zahlen in ein gemeinsames Sheet ein: Calls, Erreichte, Settings, Closings, Abschlüsse, Cash. Von Hand, nie rückwirkend, auch Nullwerte. Die Null soll wehtun. Abends kommt ein Tagesabschlussbericht als Text, den du in 10 bis 30 Sekunden liest. Die Qualitätszahlen: Show Rate 80 Prozent, unter 70 Prozent wird optimiert. Angebotsquote mindestens 90 Prozent. Abschlussquote über 30 Prozent mit System. Im CRM reichen zwei Reports, Outbound-Calls und Gesprächszeit pro Person. Unser Setup gibt es als Close CRM Vorlage. Wie wir es Schritt für Schritt aufgebaut haben, zeigt der Beitrag Close CRM Tutorial: 2 Mio. Umsatz mit einem Sales-Setup.
Die Rituale: ein Daily Huddle unter 15 Minuten, ein festes wöchentliches Call-Training und 1:1s von 20 bis 30 Minuten. Wie du deine Meetings so aufsetzt, dass sie Energie geben statt Zeit fressen, steht im Artikel Top-Mitarbeiter halten: 4 Meetings, die Fluktuation stoppen. Für Call-Reviews hilft KI: Sales-Wissen dokumentieren, mit den Transkripten auswerten lassen, nur noch die markierten Stellen anhören. Aufzeichnen darfst du nur mit Einwilligung aller Beteiligten.
Bleibt die Konsequenz. Erwartungen sind eine Holschuld der Führungskraft: Weiß dein Setter nicht, dass 2 Sets pro Tag das Minimum sind, ist das dein Versäumnis. Beim Feedback gilt 4:1, auf eine Kritik kommen vier echte Anerkennungen. Einmal pro Quartal fragst du dich bei jeder Personalie: Würde ich kämpfen, um die Person zu halten? Würde ich sie heute noch einmal einstellen? Zweimal nein heißt ersetzen. Und befördere lieber zu spät als zu früh.
Dein 30-Tage-Plan für das erste Sales-Team
Bau nicht alles auf einmal. In deinem Vertrieb gibt es immer nur ein Hauptproblem.
Woche 1, Zahlen und Baseline: Bau das Tracking-Sheet, trag deine letzten 4 Wochen ein und finde deinen einen Engpass. Fehlen Gespräche, platzen Termine oder closen sie nicht?
Woche 2, der Engpass mit dem schnellsten Geld: Meist ist das die Show Rate oder die Reaktivierung von Angebots-Empfängern, Ex-Kunden und alten Meeting-Leads. Dafür brauchst du keinen neuen Lead. Die Vorlagen stecken im Show-Rate- und Follow-up-System. Parallel startest du den Bewerber-Funnel, er braucht 2 bis 3 Wochen Vorlauf.
Woche 3, die Lead-Maschine: Bring deinen Lead-Kanal auf Volumen und fass die Kampagne eine Woche lang nicht an. Parallel laufen die ersten Interviews mit Rollenspiel.
Woche 4, Team und Rhythmus: Die ersten Hires starten mit dem 30-Tage-Ramp. Daily Huddle, Tagesabschlussbericht und die wöchentliche Zahlenrunde werden feste Rituale.
Was du in diesen 30 Tagen nicht tust: keinen zweiten Lead-Kanal starten, bevor der erste bei 80 Prozent läuft, keine SOP-Bibliothek, kein neues Tool. Ein Engpass, eine Maßnahme, eine Woche.
Dein nächster Schritt: Hol dir die komplette Sales-Team-Schablone kostenlos, mit allen Kapiteln zu Recruiting, Vergütung, Führung, KI-Setter und CRM. Willst du zuerst die Vergütung sauber aufsetzen, nimm den kostenlosen OTE- und Provisionsrechner dazu.
FAQ
Wen stelle ich als ersten Vertriebler in der Agentur ein?
Fast immer einen Opener, keinen Closer. Er übernimmt die Erstkontakte, Setting und Closing machst du vorerst selbst. Dein bester Opener kann später Setter werden.
Ab wie vielen Leads lohnt sich ein eigener Setter?
Ein Setter ist mit 600 bis 800 frischen Opt-ins pro Monat ausgelastet. Darunter ist eine voll ausgelastete Person besser als zwei unterforderte. Fehlt das Volumen, löst du zuerst das Lead-Flow-Thema.
Was verdienen Setter und Closer im Sales-Team?
Als Richtwert: Setter 3 bis 5 Prozent vom Umsatz ihrer Sets bei einem OTE von 4.000 bis 8.000 € im Monat, Closer bis 10 Prozent vom Cash Collected mit einem möglichen OTE bis 20.000 €. Bei Angestellten muss das Fixum mindestens den Mindestlohn erreichen.
Kann ein KI-Setter das Sales-Team ersetzen?
Nein. Er übernimmt die Schlagzahl, Vertrauen entsteht weiter im Gespräch mit Menschen. Rechtlich gilt: nur Kontakte mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung anschreiben, auch im B2B, und die KI spätestens in der ersten Nachricht kennzeichnen.

