Wie sich die Provision berechnet
Wer als selbstständiger Personalberater ein Honorar festlegt, braucht zuerst ein klares Geschäftsmodell. Suchst du im Auftrag eines Unternehmens gezielt nach einer schwer erreichbaren Führungskraft, oder vermittelst du passende Bewerber aus einem gepflegten Netzwerk? Beide Leistungen können zu einer Einstellung führen. Der notwendige Rechercheaufwand, die Abstimmung mit dem Auftraggeber und das Risiko einer erfolglosen Suche unterscheiden sich jedoch. Ein übernommener Prozentsatz sagt darüber wenig aus. Der Einstieg in das gesamte Geschäftsmodell steht unter Personalvermittlung gründen.
Bei einem gehaltsbezogenen Honorar wird die Personalvermittler-Provision als vereinbarter Anteil einer definierten Vergütungsbasis berechnet. Vor der Kalkulation musst du deshalb klären, was mit Jahresgehalt gemeint ist: das feste Bruttogehalt, zusätzlich garantierte variable Bestandteile oder eine anders abgegrenzte Zielvergütung. Ein Bonus, dessen Auszahlung offen ist, kann sonst später zu unterschiedlichen Rechnungsgrundlagen führen. Halte auch fest, wie Änderungen zwischen Suchbeginn und Vertragsabschluss behandelt werden. Die Formel lautet: vereinbarte Vergütungsbasis mal vereinbarter Provisionssatz ergibt das Honorar.
Fiktives Rechenbeispiel: Bei einem vereinbarten Jahresbruttogehalt von 80.000 Euro und einem nur für dieses Beispiel angesetzten Satz von 20 Prozent ergibt sich ein Honorar von 16.000 Euro. Das Honorar ist hier ohne eine gegebenenfalls anfallende Umsatzsteuer gerechnet. Ob diese Konditionen deine Kosten decken, prüfst du anhand des erwarteten Aufwands und der vereinbarten Leistung. Für dein Angebot hältst du Berechnungsbasis und Satz getrennt fest.
Vergleiche Angebote auf derselben Grundlage: Leistungsumfang, Gehaltsbasis, Zahlungsmodell und Nebenkosten müssen zusammenpassen. Kläre beispielsweise, ob Recherche, Interviews und die Begleitung bis zum Vertragsabschluss enthalten sind. Halte Honorar und Berechnungsweise ausdrücklich fest. Bei einem maklerrechtlich einzuordnenden Auftrag regelt § 653 BGB zum Maklerlohn auch die Vergütung, wenn ihre Höhe nicht bestimmt wurde. Eine klare Vereinbarung erleichtert beiden Seiten, die spätere Rechnung nachzuvollziehen und Abweichungen früh anzusprechen.
Für deine interne Untergrenze kalkulierst du Recherche, Ansprache, Gespräche, Koordination und Dokumentation. Hinzu kommen Werkzeugkosten, Vertrieb und organisatorischer Aufwand. Berücksichtige erfolglose Mandate im Geschäftsmodell, statt nur erfolgreiche Vermittlungen nachzurechnen. Die intern benötigte Vergütung und die Zahlungsbereitschaft des Kunden sind unterschiedliche Größen. Ein wirtschaftlich notwendiges Honorar wird erst dann verkaufbar, wenn der Auftraggeber die Leistung und ihre Grenzen nachvollziehen kann. Ein pauschales Gehaltsargument reicht dafür nicht.
Erfolgshonorar oder Retainer
Beim Erfolgshonorar ist die Vergütung an einen vereinbarten Erfolg gekoppelt. Aus Kundensicht kann das den Einstieg erleichtern, weil die Zahlung an ein Ergebnis gebunden ist. Aus deiner Sicht musst du prüfen, ob die Suchbedingungen dafür tragfähig sind. Ein unscharfes Profil, wechselnde Ansprechpartner oder fehlende Rückmeldungen können Aufwand erzeugen, ohne dass du den Abschluss steuern kannst. Erfolgshonorar bedeutet daher nicht, dass Sucharbeit kostenlos wäre; du finanzierst sie zunächst und trägst einen Teil des wirtschaftlichen Risikos.
Ein Retainer vergütet im vereinbarten Umfang bereits die beauftragte Sucharbeit oder einzelne Leistungsphasen. Denkbar sind etwa eine Zahlung zum Projektstart, eine weitere nach einem definierten Rechercheergebnis und eine Abschlusskomponente. Jede Phase braucht einen nachvollziehbaren Gegenstand: Was wird geliefert, wann gilt es als erbracht, und wie geht es weiter, wenn der Kunde das Profil ändert? Ein bloßer Zahlungsplan ohne Leistungsdefinition schafft neue Unklarheit.
Zwischen diesen Modellen sind Kombinationen möglich. Eine Startvergütung kann beispielsweise auf das spätere Erfolgshonorar angerechnet werden. Ebenso kann eine feste Suchvergütung von einer zusätzlichen Abschlusszahlung getrennt sein. Im Angebot muss erkennbar bleiben, ob Beträge zusätzlich anfallen oder bereits enthalten sind. Verwende dieselben Begriffe in Angebot, Auftrag und Rechnung. Wer im Verkauf von „Retainer“ spricht, im Vertrag aber etwas anderes beschreibt, lädt Missverständnisse ein, selbst wenn beide Parteien grundsätzlich zusammenarbeiten möchten.
Auch Staffelungen gehören in die Kalkulation. Sie können sich auf Gehaltsgruppen, unterschiedliche Mandatsarten oder mehrere vereinbarte Besetzungen beziehen. Prüfe dabei den tatsächlichen Aufwand je zusätzlicher Suche. Ein weiterer Auftrag beim selben Kunden spart möglicherweise Briefingarbeit, verlangt aber weiterhin eine eigenständige Kandidatenauswahl. Ein Nachlass ohne geklärten Leistungsumfang kann deshalb deine Kapazität stärker belasten, als es die vereinfachte Kundenbeziehung erwarten lässt. Beschreibe die Staffel als konkrete Vereinbarung und nicht als automatische Folge weiterer Zusammenarbeit.
Wähle das Modell anhand der Zusammenarbeit. Bei einer gezielten Direktsuche sind verbindlicher Zugang zu Entscheidern und klare Rückmeldungen besonders wichtig. Bei volumenorientierter Vermittlung zählen ein verlässlicher Kandidatenfluss und eine konsistente Auswahl stärker. Entscheidend ist, welche Arbeit du zugesagt hast und welche Einflussmöglichkeiten bestehen. Den Vergleich mit anderen Dienstleistungsmodellen vertieft der Beitrag Preismodelle für Agenturen.
Vertragsgestaltung
Eine verständliche Leistungsbeschreibung beginnt beim Suchauftrag: Position, gewünschte Erfahrung, Standortbedingungen, Vergütungsrahmen und Entscheidungsweg. Halte fest, welche Leistungen du übernimmst und welche beim Auftraggeber liegen. Wenn sich das Profil während der Suche verändert, braucht es eine neue gemeinsame Entscheidung über Aufwand und Konditionen. So bleibt das Honorar mit einer konkreten Leistung verbunden. Lass die rechtliche Formulierung auf dein Geschäftsmodell abstimmen. Diese Übersicht ist keine Rechtsberatung.
Für die Vergütung sind Berechnungsbasis, Entstehung des Anspruchs, Rechnungsstellung und Fälligkeit getrennt zu betrachten. Bei einem maklerrechtlich einzuordnenden Vermittlungsauftrag knüpft § 652 BGB den Lohnanspruch grundsätzlich an einen durch Nachweis oder Vermittlung zustande gekommenen Vertrag; für Aufwendungsersatz nennt die Norm eine Vereinbarung als Voraussetzung. Lass die Einordnung deines Suchvertrags klären und lege die vereinbarten Auslöser für Rechnungsstellung und Fälligkeit eindeutig fest.
Kläre außerdem die Zusammenarbeit bei bereits bekannten Kandidaten und parallelen Suchen. Der Auftraggeber sollte wissen, wie er eine frühere Bewerbung oder einen bestehenden Kontakt meldet. Du brauchst einen dokumentierten Verlauf, der zeigt, wen du wann für welches Mandat vorgestellt hast. Halte auch fest, wie der Auftraggeber auf die Vorstellung reagiert und welche nächsten Schritte vereinbart sind. So bleibt der Zusammenhang zwischen Vorstellung und weiterer Zusammenarbeit nachvollziehbar, wenn später Fragen zum Vergütungsanspruch entstehen.
Nachbesetzung und Frühkündigung gehören als mögliche Sonderfälle in die Vorbereitung. Vereinbart werden kann beispielsweise ein erneuter Suchlauf unter bestimmten Bedingungen. Das ist von einer Rückzahlung oder einer Gutschrift zu unterscheiden. Umfang, Auslöser und Grenzen sollten beide Seiten verstehen, bevor das Mandat startet. Eine erneute Suche bindet Kapazität und muss wirtschaftlich eingeplant werden. Eine pauschale Zusage wie „Garantie bis alles passt“ lässt dagegen offen, welche Leistung tatsächlich geschuldet sein soll.
Lege für Frühkündigungen einen verlässlichen Meldeweg fest: Wer informiert wen, welche Unterlagen braucht die Prüfung, und wer entscheidet über das weitere Vorgehen? Dokumentiere den Anlass und gleiche ihn mit der vereinbarten Nachbesetzungsregelung ab. Berücksichtige bei einem erneuten Suchlauf, ob sich das Anforderungsprofil oder die Bedingungen beim Auftraggeber verändert haben. Versprich im Verkauf keine Nachbesetzung, die dein schriftlicher Auftrag anders beschreibt. Halte offene Punkte fest, statt sie durch eine schnelle mündliche Zusage zu überdecken.
Verhandlung
Beginne das Honorargespräch mit der Aufgabe. Warum ist die Stelle offen, woran scheiterten bisherige Suchen, wer entscheidet über die Einstellung und wie verbindlich ist der Vergütungsrahmen? Aus diesen Antworten ergibt sich, wie viel Recherche und Abstimmung erforderlich sind. Kann der Kunde das Profil noch nicht festlegen, ist die sofortige Verhandlung über einen Prozentsatz verfrüht. Ein kurzer gemeinsamer Abgleich verhindert, dass du später eine andere Position besetzen sollst als die, für die du kalkuliert hast.
Erkläre anschließend, was dein Modell abdeckt. Stelle Sucharbeit, Auswahl, Kommunikation und Übergabe verständlich dar. Bei einem Retainer sollte der Kunde erkennen, was unabhängig vom Abschluss geleistet wird. Bei einem Erfolgshonorar sollte er die vereinbarten Voraussetzungen der Zusammenarbeit kennen. Diskutiere Rückmeldungen und Erreichbarkeit ebenso konkret wie die Zahlung. Ein Auftrag mit attraktiver Provision kann unprofitabel werden, wenn du Entscheidungen ständig neu vorbereitest und kein verbindlicher Ansprechpartner vorhanden ist.
Bei Preiswiderstand kannst du den Umfang verändern, statt nur den Satz zu senken. Ein engeres Suchprofil, ein klarer Ansprechpartner oder anders abgegrenzte Leistungsphasen können eine neue Kalkulation ermöglichen. Prüfe jede Variante als vollständiges Angebot: Welche Arbeit entfällt wirklich, und welches Risiko bleibt? Eine unveränderte Leistung mit geringerem Honorar wird nicht dadurch wirtschaftlicher, dass sie als Einstieg bezeichnet wird. Bleibe transparent, wenn eine gewünschte Kondition unter deinen tragfähigen Rahmen fällt.
Beziehe dabei deine laufenden Mandate ein. Ein neuer Suchauftrag konkurriert mit bereits zugesagten Gesprächen und Auswertungen um dieselbe Arbeitszeit. Kalkuliere deshalb nicht nur das einzelne Honorar, sondern auch die lieferbare Kapazität. Wenn du eine zusätzliche Recherchehilfe brauchst, gehören deren Aufwand und die eigene Koordination in die Entscheidung. Ein wirtschaftlich plausibler Auftrag kann zu einem ungünstigen Zeitpunkt trotzdem nicht sauber lieferbar sein. Besprich dann einen realistischen Start oder einen engeren Umfang, bevor du eine umfassende Suche zusagst.
Nach abgeschlossenen Mandaten vergleichst du vereinbarten Umfang und tatsächlichen Aufwand. Trenne dabei die Wirkung deiner Konditionen von Ursachen im Ablauf: War das Profil stabil, kamen Rückmeldungen verlässlich und wurden unnötige Suchschleifen vermieden? Solche Fragen helfen, künftige Angebote begründet anzupassen. Aus einem einzelnen schwierigen Auftrag folgt noch keine allgemeine Preisaussage über deine Nische. Nutze die Auswertung als Grundlage für eine bessere Kalkulation und eine klarere Zusammenarbeit, ohne daraus eine vermeintlich marktübliche Provision abzuleiten.
Vor der Zusage lohnt sich ein interner Gegencheck durch die Person, die das Mandat bearbeitet. Sind die versprochenen Leistungen lieferbar, passen die Zahlungsbedingungen zum Aufwand und ist eine mögliche Nachbesetzung eingeplant? Der wichtigste Übergabepunkt liegt zwischen Verkauf und tatsächlicher Suche. Dein Team muss den vereinbarten Rahmen aus dem Auftrag lesen können, ohne auf Erinnerungen aus dem Verkaufsgespräch angewiesen zu sein. Gute Konditionen sind nur dann hilfreich, wenn sie im Alltag eindeutig umgesetzt werden.
Wenn du aus einzelnen Vermittlungen eine planbare Personalvermittlung entwickeln willst, verbinde Honorar, Positionierung, Vertrieb und Lieferung. Eine isolierte Provisionstabelle hilft dabei weniger als ein sauberer Ablauf vom qualifizierten Mandat bis zur dokumentierten Besetzung. Die Beratung für Agenturinhaber ordnet Unterstützung beim Aufbau dieses Geschäftsmodells ein. Für die übergeordnete Gründung und die Abgrenzung der Vermittlungsmodelle führt der Weg zurück zum verlinkten Gründungsratgeber.
FAQ: Headhunter-Provision
Wie hoch ist eine Headhunter-Provision?
Die Provision hängt von Berechnungsbasis, Leistungsumfang und Zahlungsmodell ab. Kalkuliere Recherche, Ansprache und Begleitung und vereinbare die Konditionen ausdrücklich mit dem Auftraggeber.
Wie wird ein Honorar auf Basis des Jahresgehalts berechnet?
Die vereinbarte Vergütungsbasis wird mit dem vereinbarten Provisionssatz multipliziert. Welche festen oder variablen Gehaltsbestandteile zur Basis gehören, muss vor der Beauftragung geklärt sein.
Was unterscheidet Retainer und Erfolgshonorar?
Ein Retainer vergütet vereinbarte Sucharbeit oder Leistungsphasen. Ein Erfolgshonorar ist an einen definierten Erfolg gekoppelt. Kombinationen brauchen eine klare Regel, ob Zahlungen angerechnet werden oder zusätzlich anfallen.
Muss bei einer Frühkündigung die Provision zurückgezahlt werden?
Entscheidend sind der Vertrag und die Umstände der Frühkündigung. Nachbesetzung, Rückzahlung und Gutschrift sind unterschiedliche Regelungen. Prüfe, welche davon vereinbart wurde und ob ihre Voraussetzungen im konkreten Fall erfüllt sind.
Wie verhandle ich eine Provision als Personalvermittler?
Kläre zuerst Suchprofil, Leistungsumfang, Entscheidungsweg und Rückmeldungen. Erläutere danach die Kalkulation und verhandle bei Bedarf über den Umfang. Prüfe jede Änderung auf wirtschaftliche Tragfähigkeit.

