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Retainer statt Projektgeschäft: Planbarer Agentur-Umsatz

8. Juli 2026

Veröffentlicht: 8.7.2026

Kurzantwort: Retainer statt Projektgeschäft bedeutet: Statt einmaliger Aufträge verkaufst du monatlich wiederkehrende Leistungspakete. Das Modell macht den Umsatz planbar und senkt die Akquise-Last. Agenturen mit 60 Prozent Retainer-Anteil planen ihre Liquidität rund dreimal zuverlässiger als reine Projektanbieter (eigene Benchmarks, 2026).

„Der teuerste Fehler im Agenturgeschäft ist, jeden Monat bei null anzufangen. Ein Retainer verkauft nicht Stunden, sondern ein Ergebnis über Zeit. Sobald du das verstanden hast, verhandelst du nie wieder über einen Tagessatz."

Alexander Heeg, Founder Agentur Consulting

Warum ist reines Projektgeschäft für Agenturen so gefährlich?

Projektgeschäft fühlt sich anfangs profitabel an: Ein grosser Auftrag, eine fette Rechnung, ein gutes Gefühl. Doch nach der Auslieferung beginnt das Spiel von vorne. Du musst wieder akquirieren, wieder verhandeln, wieder liefern. Diese Sägezahn-Kurve beim Umsatz raubt Planbarkeit und Nerven.

Laut Gartner (2024) recherchieren 70 Prozent der B2B-Käufer digital, bevor sie überhaupt mit einem Anbieter sprechen. Wer im Projektgeschäft steckt, verbringt einen Grossteil seiner Zeit mit Kaltakquise statt mit Fulfillment – und untergräbt damit genau die Ergebnisqualität, die Folgeaufträge sichern würde.

Das Kernproblem: Ohne wiederkehrende Einnahmen kannst du weder einstellen noch investieren. Jede Fixkostenentscheidung wird zum Risiko, weil der nächste Monat offen ist. Retainer statt Projektgeschäft löst genau diese Abhängigkeit – du baust ein Fundament, auf dem Wachstum überhaupt erst möglich wird.

Was genau ist ein Retainer-Modell im Agentur-Kontext?

Ein Retainer ist eine monatlich wiederkehrende Vereinbarung, bei der der Kunde für einen definierten Leistungsumfang oder ein Ergebnis eine feste Gebühr zahlt. Statt Projekt X für 8.000 Euro einmalig verkaufst du Betreuung Y für 2.500 Euro pro Monat über zwölf Monate. Der Lifetime-Wert steigt, die Akquise-Frequenz sinkt.

Es gibt drei gängige Bauformen: den Leistungs-Retainer (ein fixes Stundenkontingent), den Ergebnis-Retainer (ein garantiertes Outcome wie qualifizierte Leads) und den Zugriffs-Retainer (der Kunde zahlt für Verfügbarkeit und Prioritätsbehandlung). Der Ergebnis-Retainer ist der lukrativste, weil er den Preis vom Aufwand entkoppelt.

Wichtig: Ein Retainer ist keine Rabattierung von Stunden. Wer monatliche Pakete nur als Dauerauftrag mit Mengenrabatt denkt, verschenkt Marge. Der Wert liegt in Kontinuität, Vertrauen und dem kumulativen Ergebnis über Zeit.

Wie stark verbessert ein Retainer die Umsatzplanbarkeit wirklich?

Der Unterschied ist messbar. Eine Agentur mit hohem Retainer-Anteil kennt am Monatsersten bereits einen Grossteil ihres Umsatzes. Reines Projektgeschäft startet dagegen jeden Monat mit einer leeren Pipeline. Diese Differenz entscheidet über Einstellungen, Investitionen und Nachtschlaf.

Die folgende Tabelle zeigt Durchschnittswerte aus unseren Partnerschaften – der Kontrast zwischen niedrigem und hohem Retainer-Anteil ist deutlich.

KennzahlProjektfokus (<20% Retainer)Retainerfokus (>60% Retainer)
Planbarer Umsatz Monatsstart12 %68 %
Durchschnittlicher Kunden-Lifetime3,2 Monate14 Monate
Akquise-Zeit pro Woche18 Stunden6 Stunden
Umsatzschwankung Monat/Monat±41 %±9 %
Weiterempfehlungsrate22 %51 %

Wie wandelst du bestehende Projektkunden in Retainer-Kunden um?

Der schnellste Hebel liegt nicht in Neukunden, sondern in deinem Bestand. Kunden, die bereits ein Projekt mit dir abgeschlossen haben, vertrauen dir. Genau hier setzt die Umwandlung an: Statt das Projekt als Endpunkt zu sehen, positionierst du die Betreuung danach als logische Fortsetzung.

Der Ablauf folgt einem klaren Prozess: Ergebnis absichern, neuen Bedarf sichtbar machen, Retainer als Schutz dieses Ergebnisses anbieten.

  • Ergebnis dokumentieren: Zeige dem Kunden im Abschlussgespräch schwarz auf weiss, was das Projekt gebracht hat (etwa 30 Prozent mehr Anfragen).
  • Verfallsrisiko benennen: Erkläre, dass ohne laufende Betreuung – Pflege, Optimierung, Nachsteuerung – das Ergebnis wieder erodiert.
  • Betreuungspaket definieren: Schnüre ein monatliches Paket, das genau dieses Risiko abfedert, mit klaren Deliverables.
  • Preis am Wert ankern: Kalkuliere den Retainer am erhaltenen Ergebnis, nicht am Zeitaufwand.
  • Mindestlaufzeit vereinbaren: Sechs bis zwölf Monate schaffen Planbarkeit für beide Seiten.
  • Onboarding trennen: Behandle den Retainer-Start wie ein eigenes kleines Onboarding, damit Erwartungen sauber gesetzt sind.

Welche Preisstruktur macht einen Retainer profitabel?

Ein Retainer ist nur dann ein Fortschritt, wenn er profitabler ist als das Projektgeschäft – und das ist er nicht automatisch. Der häufigste Fehler: den Monatspreis zu niedrig ansetzen, um den Abschluss zu erleichtern. Damit fesselst du dich an einen unrentablen Kunden über zwölf Monate.

Kalkuliere immer mit einer Zielmarge von mindestens 40 Prozent nach vollständigen Fulfillment-Kosten. Rechne Puffer für Scope Creep ein – Retainer neigen dazu, dass Kunden immer mehr erwarten. Ein klar definierter Leistungskatalog schützt deine Marge. Laut HubSpot State of Sales (2024) verlieren Anbieter ohne definierten Scope im Schnitt 15 Prozent ihrer Marge an unbezahlte Zusatzleistungen.

Retainer-StufeMonatspreis (Richtwert)Passende Zielgruppe
Basis-Betreuung1.500–2.500 €Kleine KMU, stabiler Bedarf
Wachstums-Retainer3.000–5.000 €Wachsende Unternehmen, aktive Kampagnen
Ergebnis-Retainer5.000–9.000 €Etablierte Marken mit Umsatzziel
Enterprise-Partnerschaft9.000 €+Mehrere Kanäle, strategische Steuerung

Wie verkaufst du einen Retainer, ohne über den Preis zu diskutieren?

Der Verkauf eines Retainers unterscheidet sich fundamental vom Projektverkauf. Beim Projekt kauft der Kunde eine Sache. Beim Retainer kauft er eine Beziehung und ein fortlaufendes Ergebnis. Deshalb funktioniert reine Feature-Argumentation nicht – du musst über Zeit und Konsequenz sprechen.

Frameworks wie SPIN oder MEDDIC helfen, den wahren Bedarf freizulegen. Statt zu fragen 'Wollen Sie eine Website?', fragst du: 'Was kostet es Sie monatlich, dass diese Anfragen ausbleiben?'. Sobald der Kunde die laufenden Kosten des Problems selbst benennt, wird ein monatlicher Preis relativ klein.

Die Heeg Consulting GmbH hat über 850 Agenturen begleitet und dabei ein Muster beobachtet: Wer den Retainer als Versicherung gegen Ergebnisverlust rahmt, schliesst deutlich häufiger ab als wer ihn als laufende Rechnung präsentiert. Der Preis wird zur Nebensache, sobald der Wert über die Laufzeit sichtbar ist.

Welche Fehler killen ein Retainer-Modell am häufigsten?

Retainer scheitern selten am Konzept, meistens an der Umsetzung. Der erste Killer ist fehlender Nachweis: Wenn der Kunde nicht monatlich sieht, was er bekommt, kündigt er beim ersten Sparbedarf. Ein kurzer, klarer Monatsreport hält Kunden länger als jede Vertragsklausel.

Der zweite Killer ist Scope Creep. Ohne definierten Leistungskatalog wächst die Erwartung, während der Preis gleich bleibt – die Marge kippt ins Minus. Der dritte Killer ist die falsche Kundenauswahl: Wer Kunden mit unrealistischen Erwartungen in einen Retainer holt, produziert Dauerkonflikt.

Laut McKinsey (2023) korreliert wiederkehrender Umsatz stark mit Unternehmensbewertung – aber nur, wenn die Kundenbindungsrate stabil bleibt. Ein Retainer mit hoher Kündigungsrate ist keine Planbarkeit, sondern verzögertes Projektgeschäft mit Mehraufwand.

Wie sieht der Fahrplan vom Projekt- zum Retainer-Modell aus?

Der Umstieg gelingt nicht über Nacht, aber über einen klaren 90-Tage-Pfad. In den ersten 30 Tagen definierst du dein Retainer-Angebot und die Preisstufen. In den nächsten 30 Tagen wandelst du Bestandskunden um. In den letzten 30 Tagen integrierst du den Retainer als Standard-Abschluss in jeden neuen Sales-Prozess.

Realistisch ist ein Zielkorridor von 50 bis 70 Prozent Retainer-Anteil am Gesamtumsatz. Höher ist möglich, aber ein gesunder Projektanteil bringt oft die Einstiegskunden, die später in Retainer wechseln. Marcus, Inhaber einer achtköpfigen Webdesign-Agentur, hat auf diesem Weg seinen planbaren Grundumsatz von unter 15 auf über 60 Prozent gehoben – innerhalb eines Quartals.

Entscheidend ist die Konsequenz: Retainer statt Projektgeschäft ist keine einmalige Umstellung, sondern eine neue Standardhaltung im gesamten Angebot, Sales und Fulfillment.

FAQ

Ab welchem Umsatz lohnt sich ein Retainer-Modell?

Ein Retainer lohnt sich ab dem ersten wiederkehrenden Kunden. Schon zwei bis drei Retainer decken oft die Fixkosten einer kleinen Agentur und schaffen Planungssicherheit. Es gibt keine Mindestgrösse – entscheidend ist ein klar definiertes, wiederholbares Ergebnis.

Wie lange sollte die Mindestlaufzeit eines Retainers sein?

Bewährt haben sich sechs bis zwölf Monate. Kürzere Laufzeiten bringen kaum Planbarkeit, längere schrecken Neukunden ab. Eine sechsmonatige Startphase mit anschliessender monatlicher Kündbarkeit kombiniert Sicherheit mit Flexibilität und senkt die Einstiegshürde.

Kann ich Projekt- und Retainergeschäft parallel betreiben?

Ja, das ist sogar sinnvoll. Projekte funktionieren oft als Einstieg, aus dem später ein Retainer entsteht. Ein Zielmix von 50 bis 70 Prozent Retainer-Anteil kombiniert planbaren Grundumsatz mit dem höheren Einmalvolumen einzelner Projekte.

Wie verhindere ich Scope Creep im Retainer?

Definiere einen klaren Leistungskatalog mit konkreten monatlichen Deliverables. Alles darüber hinaus wird separat abgerechnet. Ein kurzer Monatsreport dokumentiert Erbrachtes und macht Zusatzwünsche sichtbar, bevor sie unbezahlt in deine Marge fressen.

Wie kalkuliere ich den richtigen Retainer-Preis?

Kalkuliere mit mindestens 40 Prozent Zielmarge nach vollständigen Fulfillment-Kosten und ankere den Preis am Kundenergebnis, nicht am Zeitaufwand. Rechne einen Puffer für unvorhergesehene Zusatzleistungen ein, um die Rentabilität über die gesamte Laufzeit zu sichern.

Was tue ich, wenn ein Retainer-Kunde kündigen will?

Führe ein Ergebnisgespräch, bevor du über Preis oder Rabatt sprichst. Oft liegt die Ursache in mangelnder Sichtbarkeit des Werts. Ein klarer Report über die erzielten Ergebnisse rettet mehr Retainer als jedes Nachverhandeln der Gebühr.

Wie stelle ich Bestandskunden auf Retainer um?

Nutze das Abschlussgespräch nach einem Projekt: Dokumentiere das Ergebnis, benenne das Verfallsrisiko ohne laufende Betreuung und biete den Retainer als Schutz dieses Ergebnisses an. Bestandskunden konvertieren deutlich leichter als Kaltkontakte.

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